Vergewaltigung und Misshandlung


Menschenrechtsverletzungen an Frauen finden oft abseits von der öffentlichen Aufmerksamkeit statt. Regierungen und staatliche Organe nehmen Folter und Misshandlung oftmals schweigend und gleichgültig hin. Täter bauen darauf, dass Repressionen gegen Frauen verschwiegen und ignoriert werden. Deshalb ist Öffentlichkeitsarbeit und internationaler Druck gerade dann wirkungsvoll, wenn es um Menschenrechte von Frauen geht



Was sind Vergewaltigung und Misshandlung?

Unter Vergewaltigung versteht man den Beischlaf oder alle ähnlichen sexuellen Handlungen, sei es oral, anal oder vaginal, zu denen der Täter das Opfer mit Gewalt oder durch Drohung mit einer Gefahr für Leib oder Leben oder durch das Ausnutzen einer hilflosen Lage zwingt.

Die Misshandlung kann durch körperliche oder psychische Gewalt erfolgen. In dem Zusammenhang ist auch die Folter zu nennen, bei der körperliche oder psychische Gewalt angewendet werden, um eine Aussage zu erpressen.


Welche Menschenrechte werden verletzt?


Was sind die Ursachen von Vergewaltigung und Misshandlungen?

Im ehelichen und privaten Umfeld sind Ursachen für Vergewaltigungen häufig Machtstreben, egoistischer, ungezügelter Sexualtrieb des Mannes oder auch eine psychische Störung. Machtstreben, Drang nach Kontrolle und Stärke sind in der Regel auch die Gründe für - nicht sexuell geprägte - Misshandlungen.

In Kriegssituationen werden Frauen nicht nur misshandelt, weil sie Frauen sind, sondern auch aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse, Volksgruppe, aufgrund ihrer sexuellen Orientierung, sozialem Status oder Alters. Es geht also nicht um Sexualität, sondern um Macht, Unterdrückung und Herrschaft.

Ebenso können Misshandlungen und Vergewaltigungen in Haftanstalten begründet werden.

Im Falle der "Honour Crimes" sind das Verlangen, die Schande wieder gutzumachen und die Ehre der Familie zu retten, Antriebsfeder für Vergewaltigung und Misshandlung.


In welchen Situationen ereignen sich Vergewaltigungen und Misshandlungen?

Häufig geschehen Vergewaltigungen im privaten Umfeld. Auch innerhalb der Ehe sind Vergewaltigungen, also sexuellen Handlungen gegen den Willen der Frau, nicht selten. Deutschland ist eines der wenigen Länder, das Vergewaltigung in der Ehe unter Strafe stellt.

In vielen Fällen sind auch enge Freunde oder nahe Verwandte die Täter. Diese nutzen die vertraute Beziehung zum Opfer aus, um die Tat begehen zu können. So ist für viele Frauen ihr Zuhause ein "Ort des Terrors".

Aus Scham gehen viele Opfer nicht an die Öffentlichkeit, gerade wenn die Schreckenstat im privaten Bereich stattfand. Dies zeigen wissenschaftliche Statistiken des Bundeskriminalamtes. So tragen die Opfer oft ein Leben lang die Schmach mit sich, die sie erlitten haben und müssen damit alleine fertig werden. Nicht selten führt das zu schlimmen psychischen Beschwerden.

Aber auch wenn sich die Opfer an die Öffentlichkeit wagen, heißt das nicht, dass ihnen unbedingt angemessen geholfen wird.

Oftmals werden die Opfer ohne weitere Nachforschungen von der Polizei wieder nach Hause geschickt bzw. dazu angehalten, sich doch mit ihren gewalttätigen Partnern wieder zu "versöhnen". Dass Vergewaltigung nicht unbedingt dem Opfer gegenüber gebührlich geahndet wird, zeigt folgendes Beispiel (Quelle: Ärzte ohne Grenzen):

Im Jahr 2001 stand in Berlin ein 22-jähriger Mann vor Gericht, der ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigt hatte. Das Kind wurde daraufhin schwanger und erlitt eine Fehlgeburt. Die 18. Strafkammer des Landgerichts Berlin verurteilte den Mann zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Interessanterweise wurde an demselben Gericht im Juli 2002 ein Beamter einer Berliner Bundesbehörde wegen Unterschlagung von 250.000 Euro zu einer Strafe von 5 Jahren und 6 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

Auch Misshandlungen sind im privaten Umfeld sehr häufig zu beobachten. Nach Angaben von terre des femmes fliehen jährlich rund 40.000 Frauen mit ihren Kinder in Frauenhäuser. Häufig dauern Demütigungen Jahre an. Viele Frauen werden von ihren Männern regelmäßig geschlagen, getreten, gewürgt, geboxt und vieles mehr.

Ferner werden Frauen besonders oft in Kriegssituationen Opfer von Vergewaltigung und Misshandlung. Sie werden vom Kriegsgegner angegriffen, gefoltert und sexuell missbraucht.

Im Bosnienkrieg 1992-1995 zum Beispiel wurden Frauen massenhaft durch serbisches Militär und Paramilitär Gewalt ausgesetzt. Nach Schätzungen der EU systematisch vergewaltigt. Viele der Opfer waren damals im Alter von 12 bis 15 Jahren. Wie vor einigen Jahren an die Öffentlichkeit gelangte, erlitten die Frauen im ehemaligen Jugoslawien während des Kosovokrieges 1998 ebenfalls schreckliche Massenvergewaltigungen.

Nach einem amnesty-Bericht aus dem Jahr 2004 waren auch im Sudan hunderte Fälle von sexueller Gewalt gegen Frauen zu verzeichnen. "Sechs Tage lang, Nacht für Nacht, haben uns fünf bis sechs Männer stundenlang vergewaltigt. Eine nach der anderen. Mein Mann konnte mir das nicht verzeihen, er hat mich verstoßen." Hunderte solcher Schicksale haben amnesty- Mitarbeiter in Flüchtlingslagern an der sudanesischen Grenze dokumentiert. Oft werden die Frauen vor den Augen ihrer Familie oder der Dorfgemeinschaft misshandelt. Sie erleiden so nicht nur die körperlichen und seelischen Qualen, sondern werden noch besonders gedemütigt. In der Regel sollen nicht nur die Frauen, sondern durch riesige Schmach die ganze Volksgruppe erniedrigt werden. Oft werden die Frauen sogar schließlich von ihrer Gemeinde oder ihrer Familie ausgestoßen.

Vergewaltigung in Kriegen war lange nicht als Kriegsverbrechen anerkannt, die Täter blieben straffrei. Erst die Massenvergewaltigungen im ehemaligen Jugoslawien und Ruanda führten zur Bildung von ad-hoc Tribunalen in Den Haag und Arusha. Dort wurden Vergewaltigung und andere Verbrechen sexueller Gewalt endlich als eigenständige Verbrechen gegen die Menschlichkeit bezeichnet. Denn Ziel dieser Taten ist Demütigung, Bestrafung, Einschüchterung, Kontrolle und Zerstörung einer Person.


Auch inhaftierte Frauen werden von sogenannten "Sicherheitskräften" vergewaltigt und gefoltert oder zu "gynäkologischen Zwangsuntersuchungen" gezwungen. Misshandlung von Frauen ist zum Beispiel gängige Praxis in US-amerikanischen Gefängnissen, dazu gehören:

Auch auf den Philippinen und in der Türkei wird von sexuellen Misshandlungen in Gefängnissen/ auf Polizeiwachen berichtet.


"Honour crimes", wie Folter und Mord an Frauen aufgrund einer "Ehrverletzung" werden aus verschiedenen Ländern wie z.B. Irak, Türkei, Jordanien und Pakistan berichtet. Frauen und Mädchen aller Altersgruppen werden beschuldigt, durch ihr Verhalten "Schande" über die Familie gebracht zu haben – Gründe können hierbei ein Gespräch mit dem Nachbarn bis hin zu sexuellem Kontakt außerhalb der Ehe sein. Bestraft werden diese Ehrverletzungen oft mit Vergewaltigung oder Tod (besonders "beliebt": Tod durch Steinigung). Auch vergewaltigte Frauen werden oft für diese "Schande" noch einmal zusätzlich bestraft, die Täter hingegen gehen oft straflos aus oder erhalten eine sehr milde Strafe.

Eine ebenfalls angewandte Form der Bestrafung für die erfolgte Schande setzt Frauen, deren männlicher Verwandter (Bruder, Vater, etc.) eines Verbrechens beschuldigt bzw. überführt wird, als Vergeltung einer Vergewaltigung durch mehrere Mitglieder der geschädigten Familie aus. Diese Art der Rache ist zwar in den meisten Ländern verboten, wird aber oft von nichtöffentlichen bzw. nichtamtlichen "Gerichten" wie z.B. einem Ältestenrat oder einem Dorfvorsteher als Strafe verhängt.


Forderungen von amnesty international

amnesty international fordert Regierungen weltweit auf, Frauen und Mädchen noch wirksamer gegen Folter und Gewalt zu schützen.

Zur Bekämpfung der Folterung und Misshandlung von Frauen hat amnesty einen umfangreichen Maßnahmenkatalog entwickelt. Dieser umfasst gezielte Kampagnen, verbesserte Dokumentation sowie Schulungsprogramme für Personal in Polizei, Justiz und Krankenhäusern. ai hat die Anerkennung der geschlechtsspezifische Verfolgung als Asylgrund stark forciert.